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Selbstmitgefühl lernen: So gehst du liebevoller mit dir um

Selbstmitgefühl lernen: So gehst du liebevoller mit dir um

Kurzantwort Selbstmitgefühl bedeutet, dir selbst in schwierigen Momenten mit derselben Freundlichkeit und Wärme zu begegnen, die du auch einem guten Freund schenken würdest. Es ist die Kunst, weniger hart mit dir selbst umzugehen und dich mit mehr Verständnis zu behandeln. Mit Achtsamkeit, Selbstfürsorge und neuen Denkweisen kannst du lernen, dein eigener sicherer Ort zu werden. […]

5 Min. Lesezeit
Tom Schindler

Kurzantwort

Selbstmitgefühl bedeutet, dir selbst in schwierigen Momenten mit derselben Freundlichkeit und Wärme zu begegnen, die du auch einem guten Freund schenken würdest. Es ist die Kunst, weniger hart mit dir selbst umzugehen und dich mit mehr Verständnis zu behandeln. Mit Achtsamkeit, Selbstfürsorge und neuen Denkweisen kannst du lernen, dein eigener sicherer Ort zu werden.


Warum wir so hart zu uns selbst sind

Hand aufs Herz: Wie oft sprichst du mit dir selbst, als wärst du dein größter Kritiker? Vielleicht ertappst du dich bei Sätzen wie „Das hätte ich besser machen müssen“, „Ich bin nicht genug“ oder „Andere bekommen das doch auch hin“. Wir leben in einer Welt, die Leistung, Perfektion und ständige Selbstoptimierung feiert. Kein Wunder, dass wir lernen, mit uns selbst streng und unnachgiebig zu sein.

Doch während wir bei Freunden sofort Verständnis zeigen, wenn sie Fehler machen oder traurig sind, schenken wir uns selbst oft nur Härte. Das Ergebnis: Schuldgefühle, Selbstzweifel und das Gefühl, niemals wirklich gut genug zu sein.

Hier setzt Selbstmitgefühl an.


Was ist Selbstmitgefühl eigentlich?

Selbstmitgefühl bedeutet, dir selbst mit derselben Liebe, Wärme und Geduld zu begegnen, die du einem geliebten Menschen schenken würdest. Es heißt nicht, alles schönzureden oder Verantwortung abzugeben. Es heißt vielmehr, dich in deinem Schmerz, in deiner Unsicherheit oder in deinem Versagen anzunehmen, ohne dich zu verurteilen.

Die Psychologin Kristin Neff, die den Begriff maßgeblich geprägt hat, beschreibt drei Säulen des Selbstmitgefühls:

  • Selbstfreundlichkeit statt Selbstkritik
  • Gemeinsame Menschlichkeit statt Isolation
  • Achtsamkeit statt Überidentifikation

Das klingt vielleicht abstrakt, aber es ist unglaublich praktisch und lebensnah.


Selbstfreundlichkeit: Dein innerer Ton macht den Unterschied

Denk an die Stimme, die in deinem Kopf spricht, wenn du einen Fehler machst. Kritisch? Abwertend? Hart? Stell dir jetzt vor, du würdest denselben Satz zu deinem besten Freund sagen. Wahrscheinlich würdest du eher trösten, Mut machen und Verständnis zeigen.

Übung: Nimm dir einen Moment Zeit, wenn du dich kritisierst. Atme tief durch und frage dich: „Was würde ich einem Freund in dieser Situation sagen?“ Formuliere genau diesen Satz – und richte ihn an dich selbst.


Gemeinsame Menschlichkeit: Du bist nicht allein

Oft fühlen wir uns in unseren Kämpfen isoliert. Wir glauben, wir seien die Einzigen, die versagen, scheitern oder kämpfen. Doch die Wahrheit ist: Jeder Mensch macht Fehler, zweifelt, hat Angst und stolpert durchs Leben.

Selbstmitgefühl erinnert dich daran, dass du nicht alleine bist. Dein Schmerz macht dich nicht schwach – er macht dich menschlich.

Übung: Wenn du dich schämst oder klein fühlst, wiederhole dir innerlich: „Auch andere Menschen erleben das. Ich bin nicht allein.“


Achtsamkeit: Gefühle anerkennen, statt sie wegzuschieben

Selbstmitgefühl bedeutet nicht, negative Gefühle zu verdrängen. Es bedeutet, sie liebevoll wahrzunehmen, ohne dich darin zu verlieren. Achtsamkeit hilft dir, deine Emotionen zu spüren, ohne sie zu übertreiben oder dich von ihnen überwältigen zu lassen.

Übung: Lege die Hand auf dein Herz, wenn du merkst, dass du dich schlecht fühlst. Sag dir leise: „Ja, das tut weh. Aber es ist in Ordnung, so zu fühlen.“


Wie du Selbstmitgefühl im Alltag üben kannst

Selbstmitgefühl ist wie ein Muskel. Je öfter du ihn trainierst, desto stärker wird er. Hier ein paar Wege, wie du anfangen kannst:

  • Schreibe dir selbst einen Brief. Stell dir vor, du wärst dein bester Freund. Schreib dir in schwierigen Zeiten einen liebevollen Brief.
  • Affirmationen für Selbstmitgefühl. Sätze wie „Ich darf Fehler machen“ oder „Ich verdiene Freundlichkeit“ können helfen, dein inneres Selbstgespräch zu verändern.
  • Körperliche Geste. Leg die Hand auf dein Herz, halte deine Arme um dich selbst oder atme tief – kleine Gesten signalisieren deinem Körper Sicherheit.
  • Gefühle benennen. Sag dir selbst: „Ich fühle mich gerade traurig/überfordert/ängstlich.“ Schon das Benennen schafft Distanz und Klarheit.
  • Selbstfürsorge-Rituale. Sorge bewusst für kleine Momente, die dir guttun – ein Spaziergang, Musik, eine Pause.

Die häufigsten Missverständnisse über Selbstmitgefühl

Manche glauben, Selbstmitgefühl sei gleichbedeutend mit Selbstmitleid. Doch das ist ein Irrtum. Während Selbstmitleid dich in der Opferrolle festhält, gibt dir Selbstmitgefühl Kraft, Verantwortung zu übernehmen und weiterzugehen.

Andere fürchten, dass Selbstmitgefühl zu Bequemlichkeit führt. Aber Studien zeigen das Gegenteil: Menschen, die mitfühlend mit sich umgehen, sind motivierter, langfristig gesünder und resilienter.


Selbstmitgefühl in Beziehungen

Wenn du lernst, mit dir selbst sanfter umzugehen, verändert das auch deine Beziehungen. Du bist weniger abhängig von der Bestätigung anderer, weniger schnell verletzt und kannst auch deinem Partner, deiner Familie oder deinen Freunden mehr Wärme schenken.

Stell dir vor, du trittst einer Beziehung nicht mehr mit dem Anspruch gegenüber: „Mach mich ganz“, sondern mit der Haltung: „Ich bin schon genug – und ich teile das mit dir.“


Ein persönlicher Gedanke

Vielleicht liest du das hier gerade, weil du dich oft zu streng behandelst. Vielleicht steckst du in einer Phase, in der Selbstkritik dein ständiger Begleiter ist. Lass dir gesagt sein: Selbstmitgefühl ist keine Technik, die du über Nacht lernst. Es ist ein Prozess.

Du wirst Rückschritte haben, dich wieder hart verurteilen. Aber genau in diesen Momenten hast du die größte Chance, Mitgefühl mit dir selbst zu üben.


Fazit

Selbstmitgefühl bedeutet nicht, perfekt zu sein oder immer positiv zu denken. Es bedeutet, dir selbst ein sicherer Ort zu sein – auch dann, wenn es weh tut. Es ist die Fähigkeit, dir selbst die Hand zu reichen, anstatt dich im Stich zu lassen.

Wenn du anfängst, dir selbst mit derselben Güte zu begegnen, die du anderen schenkst, wird dein Leben leichter, deine Beziehungen ehrlicher und dein Herz ruhiger.

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